05 | 09 | 2010

Vom 09.12.2009 – 28.02.2010im Historischen Museum Hannover eine Ausstellung  „Was damals Recht war …“ statt. Das Begleitprogramm findet sich hier.

Deserteure der Wehrmacht 1939 - 1945 in und aus Hannover.

Im Zweiten Weltkrieg sind von der Wehrmachtjustiz mindestens 16.000 Todesurteile wegen “Fahnenflucht" (Desertion) verhängt worden. Dazu kommen noch 6000 Todesurteile wegen “Wehrkraftzersetzung". Es wurden auch Todesurteile wg. Homosexualität gefällt, sog. "Wehrmachtsschädlinge" analog zu den Urteilen des Volksgerichtshof gegen sog. "Volksschädlinge", durch diesen Paragrafen in der sog. KSSVO (KriegsStrafensonderVerordnung) der erst während des Krieges eingeführt worden ist. Die KSSVO ist unmittelbar vor Beginn des Krieges am 1. September 1939 in Kraft getreten. Kameradendiebstahl viel auch unter die Verordnung gegen Wehrmachtsschädlinge, wie auch die "Selbstverstümmelung".
Eine im Verhältnis dazu geringere Zahl von Soldaten wurde wegen geringfügiger krimineller Delikte wie “Kameradendiebstahl" zum Tode verurteilt. Gegen Wehrmachtsangehörige wurden über 30.000, zusammen mit den verurteilten Zivilisten und Kriegsgefangenen, insgesamt 50.000 Todesurteile ausgesprochen. Eine große Zahl der Urteile ist auch tatsächlich vollstreckt worden. Der berüchtigte Volksgerichtshof hat im Vergleich dazu ca. 5.000 Todesurteile verhängt. Die US-Streitkräfte haben während des Zweiten Weltkrieges einen einzigen Soldaten wegen Desertion hingerichtet.

Desertion und militärischer Ungehorsam

Die Desertion in der Wehrmacht war überwiegend ein individueller Akt des Ungehorsams gegen das militärische Prinzip von Befehl und Gehorsam. Sie geschah selten an der Front, häufiger dagegen beim Heimaturlaub. Der Deserteur entzog sich dem Militär durch Flucht und irrte häufig ruhe- und  rastlos umher. Er brauchte Essen, Kleidung, Unterkunft und Geld. Die nötige Hilfe bekam er häufig von Frauen. Er mußte seine Identität verbergen, sich verstecken und immer mit der Angst leben, entdeckt oder denunziert und verhaftet zu werden. Alfred Andersch beschrieb seine Desertion als Weg in die Freiheit und in die Einsamkeit: “Deserteure sind Menschen, die sich selbst in die Wüste schicken.”

Die Motive und Verlaufsformen der Desertion waren ebenso verschieden, wie die Formen von Widerstand und Verweigerung. Man wird von mehreren hundertausend Wehrmachtsoldaten ausgehen müssen, die sich auf die eine oder andere Weise dem Kriegsdienst entzogen haben. Es gab nicht den typischen Deserteur.

Folgende Formen des Ungehorsams lassen sich benennen:

- die offene Kriegsdienstverweigerung, z.B. durch Musterungs-, Einberufungs- oder  Eidverweigerung,

- die latente Form, z.B. durch Erlangung der “Wehrunwürdigkeit” oder illegale Auswanderung,

- die Flucht, wie z.B. vorübergehende unerlaubte Entfernung, Fahnenflucht, Überlaufen, aber  auch Selbstmord,

- Wehrkraftzersetzung, passive Befehlsverweigerung, Wehrdienstentziehung durch Selbstverstümmelung oder durch Simulation von Krankheiten,

- aktive Gegengewalt wie tätlicher Angriff oder Tötung eines Vorgesetzten, Sabotage, aktive Befehlsverweigerung oder Meuterei/Aufruhr.

Soldaten in und aus Hannover

Um die aus Hannover kommenden oder in Hannover ermordeten Soldaten soll es auf den folgenden Seiten gehen.

Die Informationen auf dieser Seite beruhen auf jahrzehntelanger Arbeit von Klaus Falk, der diese Informationen für diese Seite zur Verfügung stellte.

Eine Dokumentation von Klaus Falk mit zahlreichen Quellverweisen findet sich im Downloadbereich.